Gerade wurde das brasilianische Militär in den Bundesstaat Espírito Santo gerufen, um dort wieder Ruhe herzustellen. Es wird über mehr als 75 Tote, Gewaltexzesse und Plündereien im Verlauf des letzten Wochenendes berichtet. (Hier ein Artikel in Englisch) Was ist passiert?

Die Unruhen begannen, nachdem bekannt wurde, dass die Polícia Militar nicht mehr aus ihren Polizeistationen und Kasernen ausrückt – sie ist für Präsenz auf der Straße und Verbrechensverhinderung zuständig. Warum rücken die Polizisten nicht aus? Weil vor den Toren der Polizeistationen Demonstranten stehen und sie daran hindern. Diese Demonstranten sind Angehörige der Polizisten, die mit dieser Demonstration einen höheren Lohn der Polizisten erzielen wollen. Das ist geschickt gedacht, denn brasilianische Polizisten dürfen selbst nicht streiken, aber sie lassen sich von den teilweise wenigen Demonstranten offensichtlich gerne davon abhalten, auf die Straßen zu gehen. Und die Forderungen der Angehörigen scheint absolut berechtigt, denn die Militärpolizisten verdienen sehr wenig bei einem hohen Risiko für Leib, Leben und Familie. In Espirito Santo wurden die Gehälter der Polizisten seit 4 Jahren nicht mehr angehoben, und das bei einer jährlichen Inflationsrate zwischen 6% und 11% !

So bereitwillig die Polizisten sich davon abhalten lassen, auf die Straßen zu gehen und so verständlich ihre Forderungen sind …. äh, die der Angehörigen, so katastrophal sind die Auswirkungen. In dem von einer massiven Wirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit gebeutelten Land haben wenige Tage ausgereicht, um die öffentliche Ordnung teilweise aufzulösen. In vielen Orten haben Schulen, Krankenhäuser und Geschäfte geschlossen. Busse fahren in einigen Orten nach 16 Uhr nicht mehr. Ob die 200 abgestellten Soldaten die Ordnung wieder herstellen werden, darf bezweifelt werden. Das eigentlich erschreckende ist aber, wie schnell ganze Städte im Chaos versinken können, wenn die Androhung von Bestrafung nicht mehr vorhanden ist.

Foto: Avenida do Centro, Vitória, ES. Von Isabela Bessa auf Flickr.
Rechte: CC-BY-NC 2.0

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